Kleine Liebeserklärung an die Ardéche

Kleine Liebeserklärung an die Ardéche,  (Seitental der Haut Ardéche)

Ist es wirklich erst eine Woche her, dass die Tür des Hauses in Moucheyres leise knarrend ins Schloss fiel?

„Einfach den Schlüssel innen stecken lassen“, hatten Veronika und Klaus, am Telefon gesagt.

Schon jetzt habe ich Heimweh. Ich schließe die Augen und sehe den halbwilden Garten, die blauen Schlagläden, den Blick aus dem Fenster am Morgen, wenn ich auf die rötlichen Ziegel der Remise schaute.

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Ich höre den Hahn krähen, und das heisere Gebell eines fernen Hundes unten im Tal, mein kleiner Hundefreund im Nachbarhaus antwortet leise kläffend. Dann wieder Stille. Schwalben, Mauersegler. Die Grillen schlafen noch. In der Ferne das Blöken der Schafe, die eines nachts in unserem Garten grasten, bis ich sie vertrieb.

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Der Hausberg, noch bläulich dunkel. Die Sonne wird gleich herüber kommen.  Der Weg unterhalb der Bergkuppe wird sich zeigen. Ich habe ihn nicht erwandern können. Es war zu heiß, also muss ich wiederkommen.

Ich gehe in Gedanken den Weg zum Campingplatz – fünfzehn Minuten entfernt – und freue mich auf das glasklare Wasser der Besorgues, die sich aus den Bergen ihren Weg ins Tal sucht. Was für ein Genuss, bei der brütenden Hitze darin zu baden. Die ausgewaschenen Tiefstellen reichen aus für ein paar Schwimmzüge. Danach ein l`eau de menthe oder une Biere bei der freundlichen Campingplatzbesitzerin und ihrem verträumten Sohn. Es geht ruhig zu auf dem Platz. Nur wenige Zelte, vereinzelt Wohnmobile. Zwei Frauen, die mit Kochgeschirr hantieren.

Wieder zurück zum Haus. Es duftet nach Rosmarin, Minze und wildem Salbei. Steinmauern säumen die Wege. Steine, Steine, Steine und aus alles Ritzen wuchert und blüht es.

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Pinkfarbene Nelken, Mädesüß, der Kleine Klappertopf, Hortensien, Silberlinge und wilder Wein. Brombeeren, Himbeeren. Walnussbäume, Esskastanien, die ihre langen Blütenrispen auf die Wege streuen.  Äpfel, Birnen, Pflaumen. Alles noch nicht reif. Grund genug im September wieder zu kommen.

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Das kleine Bistro de pays von Lou Tarare,  mit seinem kleinen schnuckeligen Einkaufsladen in Freyssenet. Nur einen Kilometer oberhalb von unserem Haus. Dort bestellen wir Brot für den nächsten Tag, leckeres Baguette, buttrige Croissant.  Man bekommt alles was man braucht und mehr. Und im Nebenraum das wunderschöne Bistro. Leise klingt klassische Musik.   In jedem Winkel Kunst, Antiquitäten, Blumensträuße, eine kleine Bühne, liebevoll dekoriert. An den Wänden zwischen Ölgemälden und Skulpturen Plakate von Künstlern, die dort zu Gast waren. George Mustaki, Barbara Dechamps und viele andere, deren Namen ich nicht kenne.

Lou, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Auf einem kleinen Schild, zwischen wild wucherndem Wein die Öffnungszeiten, geöffnet von 9:00 Uhr bis 12:32 Uhr und dann wieder am Spätnachmittag.IMG_0403

Oben auf dem Hochplateau der Weg durch Weidenröschen und Blaubeersträucher, Enzian und Arnika, Silberdisteln, Veilchen und immer wieder Steine, Moose, Flechten. Weite Wiesenflächen, Kühe, abgemähte Getreidefelder. Kleine Dörfer mit ihrem marodem Charme.

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Der nächste Ort. Vals le Bains. Ein Badeort, der schon bessere Zeiten erlebt hat. Die Volane mit ihren Auswaschungen teilt das  Städtchen. Sonntags der große Markt, der alles zu bieten hat. Von der Handtasche bis zum gegrillten Rosmarin-Hähnchen, Fisch, Fromage, Oliven, Nougat. Salami, Honig und ich bekomme eine Ahnung, warum es heißt „Leben wie Gott in Frankreich“ Alles so lecker, saftige Aprikosen, Pfirsiche, Melonen ….

Die vielen kleinen Bars, wo schon am Morgen der kühle vin blanc getrunken wird. Ca va, bon jour, merci. Das Eiscafe Beatrixe mit der köstlichsten Dame blanche, die ich jemals gegessen habe. Dazu ein Cappuccino mit einer dicken Chantylli-Haube.“ Ein Muss,“ hatte Klaus uns vorbereitet, er sollte recht behalten.

Besuch in Aubenas, auch hier Verfall und Spuren von vergangenen „besseren“ Zeiten.

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Die Außenwände des Domes mit leeren Fenstern, die den Blick ins Ardéche-Tal zulassen. Die Stadt rüstet sich für das Ereignis des Jahres. In drei Tagen wird hier die Tour de France die Stadt beleben.  Ein Lautsprecherwagen bereitet die Einheimischen vor.

Wenig Touristen, Franzosen unter sich. Nichts spürbar von der vermeintlichen Arroganz der Franzosen.

In einem kleinen Geschäft radebreche ich mit einer Verkäuferin .. Sie: „Guten Tag“ und „isch liebe disch.“ Ich „Bon jour“ und „Voulez vous coucher avec moi“ – großes Gelächter. Manchmal bedarf es eben keiner großen Worte.

Wieder im Haus. Die angenehme Kühle nach der Hitze draußen. Meterdicke Wände, geschmackvoll, einfach eingerichtet. Alles da, von leeren Marmeladengläsern – die wir mit Blaubeer-  und Aprikosenmarmelade befüllen, bis zur Küchenwaage Wlan,  einem Fernglas, mit dem ich vergeblich die Hänge nach Murmeltieren absuche. Einem Kamm zum Pflücken der Blaubeeren.

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In jedem Winkel die liebevolle Hand von Veronika und Klaus spürbar. Tischdecken, Wasserkrüge, Vasen.

Eine kleine Schale mit Wasser zwischen Mauern und Gestrüpp für Ferdinand die Eidechse, die sich hier mit ihrer weitverzweigten Familie tummelt.

Vogelbrunnen, für Spatzen und Finken, Rotkehlchen und wer sonst noch kommen mag.  Ihr Flügelschlag an meinem Ohr.

Farn, der im Morgenwind leise wippt. Zwei Steine übereinander, ein Kastanienast scheinbar absichtslos daneben. Perfekt. Nichts fehlt.

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Die Nachbarin Sarah, eine Engländerin und ihr Mann die sich ums Haus kümmern, wenn niemand da ist und  die uns am ersten Tag ein Brot schenkten.

Ein letzter Abend in Antraigues, einem kleinen Bergdorf, mit dem berühmten Sohn Jean Ferrat und dessen Geburtshaus mitten im Dorf. Eine Vernissage und Ferrats Gesang aus Lautsprechern.  Restaurants und Bars, in denen Einheimische sitzen und es sich gut gehen lassen.. Ein Sänger  stimmt seine Gitarre, singt. Gänsehaut und feuchte Augen. Ou revoir Frankreich, wir kommen wieder.

Noch einmal Morgensonne in der Sommerküche …  oh ja Moucheyre.

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3 Gedanken zu “Kleine Liebeserklärung an die Ardéche

  1. Ist das nicht da, wo der Pfeffer wächst, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen? 😉

    Gelungener Beitrag, scheint ein schöner Urlaub gewesen zu sein.

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  2. Mensch, sieht DAS schön aus, da! Ists ein offizielles, mietbares Ferienhaus? Dann würde ich tatsächlich zu gern mal die Kontaktdaten zu den Vermietern haben – falls ich je so weit weg fahren will, dann in so ein Haus in so einer Gegend! Vielleicht hast Du ja noch meine Mail-Adresse, sonst ist sie ja sicher für Dich als Admin dieses Blogs bei meinem Kommentar zu sehen – wäre toll!!

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