Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Vorbei…fünf intensive Tage, wundervolle Begegnungen, wundersame auch, durchaus… die Bilder sind abgehängt, nur noch die  winzigen Kastanienblüten in der Fensterecke…  Wo kann man bessere Motive finden, als in der Flora.

„Wabi Sabi“ war die Überschrift. Die Kunst der Bescheidenheit, in vier Worte gefasst. Es sind doch immer die kleinen Dinge, die das Herz öffnen. Der ältere Herr, der so begeistert und nach Worten suchend vor den Exponaten stand und – mehr zu sich selber sagte – „wenn das meine Frau sehen könnte“ (er erzählte, das sie vor einem Jahr gestorben sei) Die vielen Freunde, mein Sohn und seine Liebste,  eine feine ältere Dame, die plötzlich alles wissen wollte über Zen und der ich die Adresse meiner Gruppe gab, der Kunstkritiker, der vier Mal kam und über dessen Lob ich mich besonders freute. Das Zusammensein mit Brigitte, meiner ältesten Freundin, von der ich Dinge erfuhr, die Sie mir bislang vorenthalten hatte…. Charles Antoine, der begnadete Musiker, der ein Bild abholte, ein Geschenk für seine Liebste….  ein Satz aus einem Gedicht von Victor Hugo als Scherenschnitt.“ et que tout cela fasse un astre dans les cieux“ und dazu ein Datum, ein Heiratsntrag???.  Evelyne war glücklich, strahlte, fiel ihm um den Hals ……….

Vorbei, ein wenig Wehmut  schleicht sich an. Morgen wird alles ins Auto geladen. Am Abend gehen Brigitte und ich fein aus und schmieden Pläne…. vielleicht….

Draußen und drinnen

Draußen und DrinnenSeit Mittwoch „bewohnen“ meine Freundin Brigitte und ich ein Eingangshäuschen des Botanischen Garten in Köln. Nun ja, bewohnen ist etwas hochgegriffen. Wir dürfen hier für ein paar Tage unsere Kunst ausstellen. Überschrift „Wabi Sabi“ oder die Kunst der Bescheidenheit. Obwohl es gestern wie aus Kübeln regnete ist die Stimmung gut. Draußen vergnügen sich drei Dreckspatzen und drinnen wurde geschnippelt.heute scheint die Sonne und wir freuen uns über die vielen Besucher, die sich an den wunderbaren Fotos von Brigitte und meinen Papierwerken erfreuenich lade also ein zu einem Besuch in der Flora und vielleicht auch im Torhäuschen. Von 11:00 bis 18:00 Uhr sind wir anwesend.

Der Mai, der Mai…

Der Mai, der Mai ….IMG_4973…da ist er wieder … ohne mein Zutun hat er sich angeschlichen, mit Allem, was dazu gehört. Dem zarten Grün der Birken, der Buchen… Knoblauchrauke und ja, Maiglöckchen, mit ihrem Duft, versteht sich.IMG_5026Und Frauenmantel, den ich so liebe. Die Tropfen-Perlen in der Sonne nach einem kräftigen Regenguß. Zauberei!

Ich erinnere mich an Maienandachten. Die liebte ich wirklich. Mit Kniestrümpfen raste ich in die Kapelle unseres kleinen Dörfchens. Alles so schön geschmückt und duftend. Und die Lieder. „Maria breit den Mantel aus, mach Schutz und Schirm (oder Schild ?) für uns daraus. Lass uns darunter sicher stehn, bis alle Stürm vorüberziehn, Patronin voller Güte, uns alle Zeit behüte.“

Wie habe ich diese Strophen geschmettert. Aus voller Kinderbrust. Ich gebe es zu, es war immer ein kleiner Auftritt, wenn die kleine Marie dort in der ersten Bankreihe saß und sang. Den Händen der Alten, die mich später streicheln wollten, wich ich aus.

Unheilig, heilig, eitel. Ja ich gebe es zu. Ich genoß diese „Vorstellung“ Aber was hatte das mit Frömmigkeit zu tun ?

Heimlich baute ich Altäre am Bach, wickelte mit Binsengras zwei Zweige zu einem Kreuz. Wiesenschaumkraut in einer alten Blechdose. Und dann betete ich zum „lieben Gott“ Aber was habe ich gebetet, was habe ich mir erhofft von dem alten Herrn da oben im Himmel ? Ich kann mich nicht erinnern.

Ja, der Mai, da ist er wieder. Grün, hoffnungsverheißend, leicht, kommt er daher, als wenn nichts wäre.

In meinem Blumenladen wickeln sie die Tulpen in ein ganz besonderes Papier. Das kann ich einfach nicht fortwerfen. Schaut her, Frauenmantel. IMG_5025Es mußte sein.

Meine Blumenhändlerin, der ich das Foto zeigte, will das „Papier“ zurück haben. Ich trage es mit ein wenig Wehmut aus dem Haus.

Getragen sein

Getragen seinmein Mann ist krank, er musste vorgestern operiert werden. Vor der Operation sagte er, er bräuchte eigentlich kein Bett, er würde getragen von den vielen guten Wünschen der Freunde. Während des bangen Wartens auf den Anruf des Arztes habe ich ein Netz „gewebt“ Die Namen all derer, die uns durch diese Tage tragen. Seht selber, wie reich wir sind. Was kann da noch schief gehen. 

Das Glück

Das Glück ist in den kleinen Dingenin Fundstücken wie diesendie ich vom Karfreitagsspaziergang mit nach Hause nehme und denen ich mich zaghaft annähere, wohlwissend, dass es mir nie ganz gelingen wird. Glück ist im frischen Grün im Wald und dem Gesang der Mönchsgrasmücke am Seeund dann noch eine Eule, die ich nach Athen zu Gerda trage.

Abel steht auf

Abel steh auf  (Hilde Domin)

IMG_4967Abel steht auf

es muß neu gespielt werden

täglich muß es neu gespielt werden

täglich muss die Antwort noch vor uns sein

die Antwort muß ja sein können

wenn du nicht aufstehst Abel

wie soll die Antwort

diese einzig wichtige Antwort

sich je verändern

wir können alle Kirchen schließen

und alle Gesetzbücher abschaffen

in allen Sprachen der Erde

wenn du nur aufstehst

und es rückgängig machst

die erste falsche Antwort

auf die einzige Frage

auf die es ankommt

steh auf

damit Kain sagt

damit er es sagen kann

ich bin dein Hüter

Bruder

wie sollte ich nicht dein Hüter sein

Täglich steh auf

damit wir es vor uns haben

dies Ja ich bin hier

ich

dein Bruder

in diesem Sinne wünsche ich euch ein gutes Auferstehen an diesem OsterfestIMG_4403(diesen Türklopfer habe ich von Gerda gestohlen, er hängt an der Tür einer kleinen griechischen Kapelle und nun an meiner Haustüre)

Unschwer habt ihr auch den kleinen Giacometti erkannt …. ich habe auch ihn auferstehen lassen

..hätte aber die Liebe nicht…

….hätte aber die Liebe nicht ….IMG_4928danach war mir einfach … wie ein Mantra begleitet mich in den letzten Tagen dieser Satz. Manchmal brauche ich diese Trostsätze. (das Hohe Lied der Liebe)

Und dann lasse ich einfach den Stift blind über den Block sausen (in der Straßenbahn zum Beispiel) Ich schau mir die vielen abgeschotteten Gesichter an, die an Smartphones kleben und denke mir, ….ich will es leicht… ganz gegenwärtig sein und absichtslos und dann entsteht so etwas …IMG_4927Vermutlich werde ich es dunkel hinterlegen, aber zunächst gefällt mir das Helle … zumal ich das Papier gestern selber geschöpft habe ….

Es gibt ganz in meiner Nähe (in Bergisch Gladbach) eine Papiermühle mit Museum. Die „Alte Dombach“. Der stattete ich gestern einen ersten  Besuch ab. Eine spannende Geschichte. Sicher werde ich noch einmal dorthin gehen, und davon berichten.