Gudenhagen / Ein Dorf

Gudenhagen / Ein Dorf

Genau genommen war es zunächst nur eine Häuserzeile im Wald, die Waldarbeitersiedlung, nach dem Krieg aus dem Boden gestampft. Hier wurden die Flüchtlinge aus Schlesien und dem Sudetenland angesiedelt. Der Ort meiner Kindheit. Es gehört zur Kreisstadt Brilon. Damals die waldreichste Stadt Deutschlands. So kam es, dass ich buchstäblich im Wald aufwuchs. Ein Wald, dessen Gesicht sich 2007 radikal wandelte. Damals fegte der Sturm Cyrill durchs Land.

Als ich neulich über das „Wollgras“ schrieb, wurde etwas in Gang gesetzt. Mein Dorf, in dem ich die ersten achtzehn Lebensjahre verbrachte, beschäftigt mich seitdem. Der Wunsch es zu beschreiben, es auszuschneiden.

Dort, wo heute der Rothaarsteig beginnt wuchs ich auf. Zunächst glücklich, was sich im Laufe der Pubertät wandelte. Die Winter waren „richtige“ Winter. Viel Schnee und ein ständig bullernder Ofen. Die Sommer manchmal kalt und verregnet.

Mein Schaukelpferd war eine kleine Buche und kein Baum war mir zu hoch. Ich kletterte bis in die Spitze und genoss den Überblick. Sah von oben meine Mutter im Garten arbeiten und meinen Vater mit dem Moped aus dem Wald kommend. Müde, nach Wald riechend, wortkarg. Manchmal nahm ich ein Buch mit in die Baumwipfel und vergaß die Zeit.

Einmal im Jahr die große Verkleidung, Männer wurden zu Schützen. Weiße Hosen, im Gleichschritt marsch. Ernste Gesichter und Blumen in die Gewehrläufe gesteckt. Immerhin. Ich marschierte neben meinem Vater her, warf, wie er, die Beine. Tage, wo sich Dramen abspielten, wo Alkohol floss und Väter beschworen wurden, nicht „den Vogel runter zu holen“ Am Ende ein neues Königspaar. Wallende Kleider. Was für ein Spektakel.

Gudenhagen, noch immer ist es kein richtiges Dorf. Kein Geschäft, keine Kneipe, Der Wald ist gewichen. Langweilige Häuser mit traurigen Gardinen. Keine wirklichen Gärten mehr. Keine Lattenzäune und Stoppelfälder mehr. Mein Lieblingsbaum lange gefällt.

Nur die Schützen treiben noch immer einmal im Jahr ihr Unwesen. Ich bin nur noch selten dort. Bald werde ich mal wieder hinfahren und die Wege gehen, die sich kaum verändert haben. Nochmal ins Waldschwimmbad, wo mir Nachbarsjungen, die auch schon lange nicht mehr dort wohnen, das Schwimmen beibrachten, ins Hillbringsetal, in die Hibammenhütte und bis zu den Bruchhauser Steinen, die Borbergkapelle. … mein Dorf.

Wunder über Wunder

Wunder über Wunder

Seit zwei Tagen besucht uns dieses Wesen. Es scheint aus einer anderen Welt zu kommen und lässt sich nieder auf diesem exponierten Platz, als gehöre er ihm. Eine Mischung aus Libelle und Wespe. Es ließ sich nicht von mir stören. Ein Flügel ist ein wenig ramponiert.
Diese kleine Schönheit entdeckte ich eben beim morgendlichen Rundgang.
Die Rosen sind unglaublich dominant, aber die blaue Ochsenzunge behauptet sich locker.
Das Hügelbeet ist ein voller Erfolg, der erste Endiviensalat bereits verspeist.
Die ersten Kräuter trocken (Thymian, Oregano und Bohnenkraut)
Im Efeu wuchert es blau
Mein erstes recyceltes Körbchen kommt zum Einsatz…. ich kann es nur schwer ertragen, die Flut an Papier in die Tonne zu „kloppen“.
Und so experimentiere ich herum.
Ein Jahr wohnen wir nun hier in unserem Paradies. Mein Mann murmelt immer häufiger von Fahrradtouren an Flüssen, die noch auf unserer Liste stehen. Zugegeben, es klingt verlockend, aber zwei Seelen kämpfen in meiner Brust. Ich will jetzt noch nicht fort. Da draußen ist es so voll. Und wir haben, wie man sieht, doch so viel „Schwein“ gehabt.

Kirschenzeit

Kirschenzeit

Ich liebe Kirschen…. ich stellte sie nach dem Waschen im (Durchschlag) in die Sonne. Dabei entstanden diese wunderschönen Lichtpunkte. So kam zum Gaumenschmaus noch der Augenschmaus hinzu. Und das harte Wort „Durchschlag“ bekam eine völlig neue Bedeutung.

Wollgras

Wollgras

Zum Wollgras habe ich eine besondere Beziehung. Ich war etwa zwölf Jahre, als uns der Lehrer das Angebot machte, demjenigen die Hausaufgaben zu erlassen, der ihm am nächsten Tag ein Wollgras bringen würde. (Er ging davon aus, dass niemand eines finden würde im tiefsten Sauerland) Er irrte sich, denn schon damals streifte ich viel allein durch die Natur und kannte eine Stelle an der Hillbringse, (ein kleiner Bach)

Das Wort musste unbedingt in meine „Erinnerungskiste“

In diesem Jahr kümmert das Gras ein wenig vor sich hin … ich rede ihm gut zu.

Der Mohn ist aufgegangen

Der Mohn ist aufgegangen

Gestern trug er noch diesen „kessen“ Hut
Heute zeigt er sich bei meinem morgendlichen Rundgang durch den Garten in seiner vollen Schönheit
Alles im Eimer (das Geschenk von einer Freundin)
Die Dreimasterblume hat die „Segel“ gesetzt. Der Tag kann beginnen
Das Tränende Herz rührt mich durch seine Zartheit
Meditation
Da häkelt die „Ranke am Strauche“ Hier darf ich nicht lange verweilen, denn die Amsel hat hier irgendwo im hintersten Winkel ihr Nest. Sie gluckst ein wenig. Aber wir sind schon auf du und du und sie weiß, dass sie nichts zu befürchten hat.
Diese Schönheit ist unsere neue Errungenschaft
Ein gewohntes Bild vom Vortag….. ich schleppe alles ran und er buddelt brav alles ein.
Zurück zum heutigen Morgen …. die Rosen, so wunderbar
Den Duft würde ich gerne mitliefern.
So wandere ich weiter…. und bin doch „nur“ Zaungast.

Brot

Brot

…ist so alt wie die Menschheit. Aber dass ich es selber backe ist noch nicht so lange her. Seit einem halben Jahr hat es mich gepackt. Vor keiner Variante mache ich mich bange. Hier dieses reine Roggenbrot mit Sauerteig, ist Genuss pur. Die Zutaten so einfach. Mehl, Wasser, Salz, etwas Sauerteigansatz und Zeit. (nun ja, ohne Ofen geht es nunmal nicht)

Ein archaisches Vergnügen und ich fühle mich verbunden mit allen Menschen (meist Frauen), die es uns vorgemacht haben.

Heute, als ich in der Frühe die Backform in den Ofen schob begann eine Assoziationskette zum Thema Brot.

Von Heinrich Böll „Das Brot der frühen Jahre“ Brot und Spiele, Brot für die Welt, die Schläge, die mein Vater bekam, als er vor Hunger den Brotschrank aufbrach. Die Brotkrumen, die Hans und Gretl im Wald ausstreuten, um den Weg nach Hause wieder zu finden. (Erst heute wird mir die tiefe Symbolik dessen bewusst), Das Pausenbrot, das Butterbrot mit „guter“ Butter (welches früher nur mein Vater bekam, für uns Kinder und meine Mutter gab es nur Margarine)

Das Hasenbrot nicht zu vergessen.

Aus meiner Sammlung der kostbaren Wörter, ebenso wie das Ränftl (Das Anfangs- und Endstück des Brotes. Ein schlesischen Wort aus Kindertagen)
Die Erinnerung daran, dass meine Mutter das Brot vor dem Anschneiden gegen die Brust presste (Sie trug zeitlebens eine Kittelschürze) und es mit drei Kreuzen, ausgeführt mit dem Brotmesser, segnete.
Letztendlich die erste Scheibe Brot, die köstlich schmeckte.

Wege

Wege

In meinem Fundus fand ich dieses ausgeschnittne Zitat von Robert Walser, dessen Texte ich sehr mag.

„Man sah es den Wegen am Abendlicht an, das es Heimwege waren“

Das stimmt mich melancholisch und ich denke über Wege im Allgemeinen nach. Über Umwege, Ausgetretene aber auch über neue Wege….

…oder Gemeinsame….

Blau

Blau

Im Moment habe ich einen Faible für Blau und seit mir das bewusst ist, wird es umso deutlicher. Die Kornblume ist ein wenig zerzaust vom vielen Regen, aber darüber beklage ich mich gewiss nicht.
Vergissmeinnicht und Glockenblümchen und und und…
Das kleine Regal, in dem das Rotkehlchen nisten wollte. Es hat es sich anders überlegt, jetzt wohnt der Salzstreuermann dort. Weggegangen, Platz vergangen…
Ein kleiner blauer Blickfang im alten Holunderstamm.
Diese feine Dame, die ich vor Jahren im Ostasiatischen Museum gemalt habe.
Ein Tablet mit Scherenschnitt
Der Lastwagen aus Kindertagen meines Mannes
Ein wenig Dekoration
Meine Strickjacke, ein Mitbringsel aus der Bretagne
Das Allium.,…..es weiß noch nicht, dass es blau wird… aber ein Zipfel Himmelsblau ist auch zu sehen
Und dann noch das Tanzkleidchen im Efeu für ein Maitänzchen…