Regenfreuden

Als es neulich endlich regnete, klaute sich meine Enkelin meine Stiefel und rannte über die Wiese
Und malen kann auch bei Schietwetter
Oma und Enkelin vertreiben sich die Zeit. Ganz schön schrille Typen zeigen sich.

Nachtkerze und Karde

Jeden Abend in der Dämmerung vollzieht sich ein großartiges Schauspiel in unserem Garten. Die Nachtkerze hat ihren Auftritt. Also rücke ich den Stuhl zurecht und staune, staune, staune….

Ein zarter Duft entströmt der Blume und rasch kommen die Nachtfalter und besuchen die zitronengelbe Blüte, die nun die Nacht über in der Dunkelheit leuchtet.
Es liegt nahe, dass ich sie zeichne und ausschneide. Sie geht eine Wahlverwandtschaft mit der wilden Karde ein.

Kleines Trostzimmer

Ein Raum für mich allein

Es ist nicht zu glauben, aber vor zwei Wochen habe ich in den Dolomiten in einem kleinen Wohnwagen noch gefroren. Da habe ich einen Zufluchtsort geschaffen. Nun bekommt ihn jemand, der Trost braucht .

Kleine Wunder

Kleine Wunder im Wald gefunden

Der Frühling ist nicht aufzuhalten
Als Buchhülle dient ein Stück Birkenrinde

Und ein altes Kirchenbuch (aus dem Müll gerettet) hat eine neue Lesart gefunden.

Ein Gramm Gott

Wer oder was ist Gott? Und vor Allem, wo ist er?

Diese Frage hat mich neulich (während meiner Meditationstage über Karneval) wieder einmal umgetrieben. Rilke beschreibt ihn in seinen „Wachsenden Ringen“ als uraltem Turm, den er umkreist.

Und dann, in tiefe Meditation versunken, stieg die Erkenntnis in mir auf, dass Gott überall dort anzufinden ist, wo ich bereit bin, ihn zu sehen. In den Dingen, die mich umgeben, zwischen den Steinen, in Mauerspalten……

Ich hatte bewusst kein Papier mitgenommen in das wunderschöne Seminarhaus in der Eifel. Und dann fiel mein Blick im Bad auf die Hygienebeutel. Ich schrieb Gott, Gott, Gott darauf.

Jetzt, Wochen später, ist meine Gebetsmühle fertig geworden. Wie Zauberei, dreht sie sich eigenmächtig. Einfach so.

Manchmal ist Gott federleicht… ein Gramm, nicht mehr und doch….

Kokon

In Zeiten wie diesen, mit täglich auf uns einprasselnden Nachrichten von Kriegen, Folter, Unrecht und Lügenkonstrukten, träume ich von Rückzugsorten. Eine einsame Berghütte etwa, einem Kloster weit weg vom täglichen Lärm….

Oder von einem Kokon, in den ich mich zurückziehen kann. Einer, hellen, gedämpften Höhle, in der mir nichts und niemand etwas anhaben kann.

Aus Seidenpapier habe ich mein „Garn“ gesponnen. Der rote Faden hält alles zusammen.

Sollte man nach mir suchen…. Leise anklopfen, zuversichtliche Worte finden…..

Ein Hemd für Alan

Ein Hemd für Alan

Morgen feiern wir die Geburt eines Jungen.

Ich trauere seit nunmehr 10 Jahren um den kleinen, gerade mal zwei Jahre alten Alan Kurdi. Am 2.September starb im Mittelmehr, zusammen mit seiner Mutter und dem vierjährigen Bruder, der kleine Junge. Sein Leichnam wurde am Strand gefunden. Das Foto ging um die ganze Welt. Hinein in unsere behaglichen Wohnzimmer.

Seit ich selber zweifache Großmutter bin, berührt mich die Geschichte noch mehr.

Seit Monaten sammelte ich gebrauchte Teebeutel und nähte sie zusammen. Heute, einen Tag vor Weihnachten wurde das kleine Totenhemd fertig.

Es macht den kleinen Jungen nicht mehr lebendig, aber er soll niemals in Vergessenheit geraten.

Wann wird man je verstehen….

Meine Birke

Meine Birke

Vor zwei Tagen stand ich unter der Birke in unserem Garten und ein unbeschreibliches Glücksgefühl breitete sich aus.

In der letzten Zeit plagten mich Zweifel, ob ich noch weiter machen kann, die Natur in ihrer schlichten Schönheit noch darstellen kann und will.

Ein jaaa stieg an die Oberfläche.

Es ist so schön, wenn das Papier so mitmacht und die Ästchen lebendig werden.

Ich wünsche Allen eine beglückende Zeit. Trotz alledem und alledem…