Süchtig nach Farbe

Süchtig sein nach Farbeimg_4741gestern war es wiedermal soweit. Ich durfte mich für einen Tag in Farbe fallen lassen.

Ein Tag malen mit Ulrike Staussberg. Es liegt etwa ein Jahr zurück, dass ich dass letzte Mal bei ihr war. Ihre Vorgabe: 1. du sollst nicht denken, 2. nichts Gegenständliches malen, 3. sie bestimmt, wann das Bild fertig ist, sind mir schon vertraut.

Wir – eine sechsköpfige Gruppe – treffen uns im Haus Wiesengrund in der Nähe vom Oberbergischen Nümbrecht.

Malgrund: zunächst Papier, dann kleine Leinwände, später Sperrholz ….und los gings ….hier eine kleine Auswahl …….img_4743mit Spachtel, Stiften, Pinseln, Walzen, Folien oder mit den Händen.img_4729img_4728img_4735img_4736nicht nach rechts und links schauen, einfach drauflosschwelgen.

Winter ade

Winter ade

für Ulli

img_4693Meine Freundin Brigitte versorgt mich mit Motiven. Sie schickt mir Fotos von verblichenen Lampionblumen. Wunderbar zarte Gebilde. Ich habe mich ihnen angenähert mit Kaffeefiltertüten, Nadel und Faden. Es ist spannend, räumlich zu werden.

ich habe den Winter weggesessen

seit Anfang Februar

singen wieder

die Wintervögel

von Ulli

Grau

Grauimg_4689es gibt Tage, da will es nicht hell werden. Nicht im Herzen und nicht draussen … dunkle Worte, viel zu laut, viel zu grausam …. dann greife ich zu Stift und buntem Papier…ja, bunt soll es werden und licht und durchlässig, leichter …… und warten auf das Licht….img_4577letzte Woche aufgenommen in der Zumthorkapelle in der Eifel

Durchblick

Durchblickkennt ihr noch aus Kindertagen die Blöcke mit dem klebbarem Glanzpapier? Einen solchen schenkte mir mein Sohn zu Weihnachten. Da schaut euch die luftige Säule an.  Säulen, mit Durchblick… mein nächstes Ziel…Mauern durch die der Wind weht, durch die wir uns zuwinken können..uns etwas zurufen, in die wir Liebesbotschaften stecken können…. wenn schon Mauern, dann solche….

Udo

Udo – unvergessen –

img_4327Wir trafen uns zu einer Zeit, wo ich mich ein wenig verloren hatte. In einer Kneipe und er fragte:“ Was machst du hier ..“ und er hatte sich auch verloren. Zwei Gestrandete also.

Auf der Straße kniete er nieder, sang hinreissend schön Maria, Maria …aus der West-Side-Story. Ich flehte ihn an, aufzustehen.

Er hatte zwei linke Hände, ich zwei rechte, so glich sich das aus.

Seine Hände, schöne Hände, waren verfärbt von filterlosen Zigaretten, ich sehe ihn süchtig saugen, den Rauch ausblasen. Und dennoch roch er nie wie ein Raucher. Er duftete, ich schnupperte gerne an ihm.

Manchmal hängte er mir Plätzchentüten an die Tür und schenkte mir Bücher. Davon verstand er etwas. Er war der weltbeste Buchhändler. Ich bügelte seine Hemden und kochte Suppe für ihn. Immer wenn er kam, stürmte er zum Herd, hob den Deckel, strahlte.

Mit meinem Sohn im Arm, der seiner hätte sein sollen, wanderte er durch die Dünen von Textel. Er summte Motetten von Mozart und „Hey, kleiner Fratz auf dem Kinderrad“ von Hermann van Veen, immer wieder „Hey kleiner Fratz“…

Jaques Tati war sein Held und wenn er M. Hulot nachmachte blieb kein Auge trocken. Dieses Drehen und Wenden, den Hintern ausgestreckt ….liebevoll tölpelhaft. Ich sehe ihn vor mir, als wäre es gestern, seine Baskenmütze mit dem kleinen Drahtfahrrad daran. Ich sehe ihn lachen, auf seinem geliebten Hollandrad, mir die Zunge rausstreckend.

Die Zigeretten wurden ihm zum Verhängnis. Er starb vor zehn Jahren an Blasenkrebs. Wir weinten zusammen am Telefon, als er mir Hilde Domins Gedicht von den Waagen vorlas.

Unterricht

Jeder der geht, belehrt uns ein wenig

über uns selber.

Kostbarster Unterricht

an den Sterbebetten.

Alle Spiegel so klar

wie ein See nach großem Regen,

ehe der heutige Tag

die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben sie für uns,

nie wieder.

Was wüssten wir je

ohne sie?

Ohne die sicheren Waagen,

auf die wir gelegt sind, wenn wir verlassen werden.

Diese Waagen, ohne die nichts

sein Gewicht hat.

Wir, deren Worte sich verfehlen,

wir vergessen es. Und sie ?

Sie können die Lehre nicht wiederholen.

Dein Tod oder meiner

der nächste Unterricht?

So hell, so deutlich,

dass es gleich dunkel wird.

Hilde Dominimg_4325Das Buch gab er mir mit auf die Reise nach Peru. Er schrieb hinein, „geh mir (nicht so schnell) verloren.“

Zufall

Zufallimg_4399Als ich zufällig kein Papier zur Hand hatte und ich unbedingt etwas schnippeln wollte fiel mir die Sache mit den Kaffefiltern ein. Seitdem kann ich die Finger nicht davon lassen. Ja, ich glaube an Zufälle. Aber heute gings dann ein wenig zu weit.

Meine Freundin Elisabeth hatte so oft von diesem Buch über den Zufall gesprochen. Es sei vergriffen, aber ich solle doch unbedingt versuchen, es zu bekommen. Sie hat mich neugierig gemacht und tatsächlich fand ich es bei ……. (nein ich gebe nicht zu, dass ich es dort gefunden habe….) Nun es kostete sage und schreibe Ein Cent. Also, viel verdienen sie nicht an mir, habe ich mir gedacht und meine Skrupel vergessen. Also habe ich mich heute Mittag genüßlich hingesetzt und die erste Seite verschlungen, als es klingelte. Der Briefträger brachte ein verspätetes Geburtstagsgeschenk. Und dann blieb mir die Spucke weg. Seht selber.img_4479Wenn „das“ kein Zufall ist. Jetzt liegen die Bücher der beiden Kölner Autorinnen neben mir und ich werde sie wohl gleichzeitig lesen. Ganz nebenbei, neben Elke saß ich neulich zufällig im Theater und Carmen sah ich vor nicht all zu langer Zeit in meinem Lieblingskino . Zufall ?  Hm!!

Nis Randers

Nis Randers

img_4459Zurück von der Insel Amrum. Sieben Tage weggetaucht. Sieben Tage nur Meer, dem Sturm lauschen, Muscheln sammeln, sie wieder zurückgeben, nach Strandgut Ausschau halten. Durchatmen. Mich gegen den Wind stemmen. Reeddachhäuser, Salzgeschmack auf den Lippen.

Da bietet sich an, eine meiner Lieblingsballaden aus Kindertagen noch einmal zu lesen. Beinahe kann ich sie noch auswendig vortragen.

 

Nis Randers von Otto Ernst (1862-1925)

Krachen und Heulen und berstende Nacht,

Dunkel und Flammen in rasender Jagd –

Ein Schrei durch die Brandung!

Und brennt der Himmel, so sieht mans gut.

Ein Wrack auf der Sandband! Noch wiegt es die Flut;

Gleich holt sichs der Abgrund.

Nis Randers lugt – und ohne Hast

Spricht er: „Da hängt noch ein Mann im Mast;

Wir müssen ihn holen.“

Da faßt ihn die Mutter: „Du steigst mir nicht ein:

Dich will ich behalten, du bleibst mir allein,

Ich wills, deine Mutter!

Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;

Drei Jahre verschollen ist Uwe schon;

Mein Uwe, mein Uwe!“

Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!

Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:

„Und seine Mutter?“

Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:

Hohes, hartes Friesengewächs;

Schon sausen die Ruder.

Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!

Nun muß es zerschmettern …..!  Nein es blieb ganz…!

Wie lange? Wie lange?

Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer.

Die menschenfressenden Rosse daher;

Sie schnauben und schäumen.

Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!

Eins auf den Nacken des andern springt

Mit stampfenden Hufen!

Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!

Was da ? Ein Boot, das landwärts hält –

Sie sind es! Sie kommen! —

Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt …

Still – ruft da nicht einer ? -Er schreits durch die Hand:

„Sag Mutter, s`ist Uwe!“

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