Grau

Grauimg_4689es gibt Tage, da will es nicht hell werden. Nicht im Herzen und nicht draussen … dunkle Worte, viel zu laut, viel zu grausam …. dann greife ich zu Stift und buntem Papier…ja, bunt soll es werden und licht und durchlässig, leichter …… und warten auf das Licht….img_4577letzte Woche aufgenommen in der Zumthorkapelle in der Eifel

Durchblick

Durchblickkennt ihr noch aus Kindertagen die Blöcke mit dem klebbarem Glanzpapier? Einen solchen schenkte mir mein Sohn zu Weihnachten. Da schaut euch die luftige Säule an.  Säulen, mit Durchblick… mein nächstes Ziel…Mauern durch die der Wind weht, durch die wir uns zuwinken können..uns etwas zurufen, in die wir Liebesbotschaften stecken können…. wenn schon Mauern, dann solche….

Udo

Udo – unvergessen –

img_4327Wir trafen uns zu einer Zeit, wo ich mich ein wenig verloren hatte. In einer Kneipe und er fragte:“ Was machst du hier ..“ und er hatte sich auch verloren. Zwei Gestrandete also.

Auf der Straße kniete er nieder, sang hinreissend schön Maria, Maria …aus der West-Side-Story. Ich flehte ihn an, aufzustehen.

Er hatte zwei linke Hände, ich zwei rechte, so glich sich das aus.

Seine Hände, schöne Hände, waren verfärbt von filterlosen Zigaretten, ich sehe ihn süchtig saugen, den Rauch ausblasen. Und dennoch roch er nie wie ein Raucher. Er duftete, ich schnupperte gerne an ihm.

Manchmal hängte er mir Plätzchentüten an die Tür und schenkte mir Bücher. Davon verstand er etwas. Er war der weltbeste Buchhändler. Ich bügelte seine Hemden und kochte Suppe für ihn. Immer wenn er kam, stürmte er zum Herd, hob den Deckel, strahlte.

Mit meinem Sohn im Arm, der seiner hätte sein sollen, wanderte er durch die Dünen von Textel. Er summte Motetten von Mozart und „Hey, kleiner Fratz auf dem Kinderrad“ von Hermann van Veen, immer wieder „Hey kleiner Fratz“…

Jaques Tati war sein Held und wenn er M. Hulot nachmachte blieb kein Auge trocken. Dieses Drehen und Wenden, den Hintern ausgestreckt ….liebevoll tölpelhaft. Ich sehe ihn vor mir, als wäre es gestern, seine Baskenmütze mit dem kleinen Drahtfahrrad daran. Ich sehe ihn lachen, auf seinem geliebten Hollandrad, mir die Zunge rausstreckend.

Die Zigeretten wurden ihm zum Verhängnis. Er starb vor zehn Jahren an Blasenkrebs. Wir weinten zusammen am Telefon, als er mir Hilde Domins Gedicht von den Waagen vorlas.

Unterricht

Jeder der geht, belehrt uns ein wenig

über uns selber.

Kostbarster Unterricht

an den Sterbebetten.

Alle Spiegel so klar

wie ein See nach großem Regen,

ehe der heutige Tag

die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben sie für uns,

nie wieder.

Was wüssten wir je

ohne sie?

Ohne die sicheren Waagen,

auf die wir gelegt sind, wenn wir verlassen werden.

Diese Waagen, ohne die nichts

sein Gewicht hat.

Wir, deren Worte sich verfehlen,

wir vergessen es. Und sie ?

Sie können die Lehre nicht wiederholen.

Dein Tod oder meiner

der nächste Unterricht?

So hell, so deutlich,

dass es gleich dunkel wird.

Hilde Dominimg_4325Das Buch gab er mir mit auf die Reise nach Peru. Er schrieb hinein, „geh mir (nicht so schnell) verloren.“

Zufall

Zufallimg_4399Als ich zufällig kein Papier zur Hand hatte und ich unbedingt etwas schnippeln wollte fiel mir die Sache mit den Kaffefiltern ein. Seitdem kann ich die Finger nicht davon lassen. Ja, ich glaube an Zufälle. Aber heute gings dann ein wenig zu weit.

Meine Freundin Elisabeth hatte so oft von diesem Buch über den Zufall gesprochen. Es sei vergriffen, aber ich solle doch unbedingt versuchen, es zu bekommen. Sie hat mich neugierig gemacht und tatsächlich fand ich es bei ……. (nein ich gebe nicht zu, dass ich es dort gefunden habe….) Nun es kostete sage und schreibe Ein Cent. Also, viel verdienen sie nicht an mir, habe ich mir gedacht und meine Skrupel vergessen. Also habe ich mich heute Mittag genüßlich hingesetzt und die erste Seite verschlungen, als es klingelte. Der Briefträger brachte ein verspätetes Geburtstagsgeschenk. Und dann blieb mir die Spucke weg. Seht selber.img_4479Wenn „das“ kein Zufall ist. Jetzt liegen die Bücher der beiden Kölner Autorinnen neben mir und ich werde sie wohl gleichzeitig lesen. Ganz nebenbei, neben Elke saß ich neulich zufällig im Theater und Carmen sah ich vor nicht all zu langer Zeit in meinem Lieblingskino . Zufall ?  Hm!!

Nis Randers

Nis Randers

img_4459Zurück von der Insel Amrum. Sieben Tage weggetaucht. Sieben Tage nur Meer, dem Sturm lauschen, Muscheln sammeln, sie wieder zurückgeben, nach Strandgut Ausschau halten. Durchatmen. Mich gegen den Wind stemmen. Reeddachhäuser, Salzgeschmack auf den Lippen.

Da bietet sich an, eine meiner Lieblingsballaden aus Kindertagen noch einmal zu lesen. Beinahe kann ich sie noch auswendig vortragen.

 

Nis Randers von Otto Ernst (1862-1925)

Krachen und Heulen und berstende Nacht,

Dunkel und Flammen in rasender Jagd –

Ein Schrei durch die Brandung!

Und brennt der Himmel, so sieht mans gut.

Ein Wrack auf der Sandband! Noch wiegt es die Flut;

Gleich holt sichs der Abgrund.

Nis Randers lugt – und ohne Hast

Spricht er: „Da hängt noch ein Mann im Mast;

Wir müssen ihn holen.“

Da faßt ihn die Mutter: „Du steigst mir nicht ein:

Dich will ich behalten, du bleibst mir allein,

Ich wills, deine Mutter!

Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;

Drei Jahre verschollen ist Uwe schon;

Mein Uwe, mein Uwe!“

Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!

Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:

„Und seine Mutter?“

Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:

Hohes, hartes Friesengewächs;

Schon sausen die Ruder.

Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!

Nun muß es zerschmettern …..!  Nein es blieb ganz…!

Wie lange? Wie lange?

Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer.

Die menschenfressenden Rosse daher;

Sie schnauben und schäumen.

Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!

Eins auf den Nacken des andern springt

Mit stampfenden Hufen!

Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!

Was da ? Ein Boot, das landwärts hält –

Sie sind es! Sie kommen! —

Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt …

Still – ruft da nicht einer ? -Er schreits durch die Hand:

„Sag Mutter, s`ist Uwe!“

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Nicht bange machen lassen

Nicht bange machen lassenimg_4350wenn schon Begrenzungen…… dann eben bunte

Letzte Woche titelte der Kölner Express in seiner Überschrift: „2017 wird alles noch schlimmer“  Ich stand fassungslos vor dem Zeitungskasten und musste den Impuls, heftig dagegen zu treten mit Mühe unterdrücken. Was für eine Botschaft. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Satz überhaupt wiederholen soll, aber nun wage ich es doch.

Es ist genau das Thema, das mich so lange schon umtreibt und was ich der deutschen Presse vorwerfe. Sie sind ganz groß im Schlechtreden. Müssen wir uns da wundern, dass die rechte Meute immer lauter und lauter wird ?

Während meiner Berufszeit war ich lange als Betriebsrätin tätig. Ein Motto in den vielen Seminaren war immer wieder „tue Gutes und rede drüber“  Zunächst sträubte sich in mir alles gegen diesen Satz, aber zunehmend kann ich ihm etwas abgewinnen. Warum sprechen und schreiben wir nicht einfach mehr über die Dinge, die gut sind. Es liegt soviel Kraft darin. Habe eben den Blog von Uli gelesen und die vielen Frauen gesehen, die für den Frieden singend durchs Land ziehen. (Zum Weinen schön)

Gestern schickte mir eine liebe Freundin zum Jahresbeginn eine Geschichte, die ich euch nicht vorenthalten möchte und die genau zu diesem Thema passt:

Der schwarze Punkt

Eines Tages kam ein Professor in die Klasse und schlug einen Überraschungstest vor. Er verteilte sogleich das Aufgabenblatt.  Dann forderte er seine Studenten auf, die Seite umzudrehen und zu beginnen. Zur Überraschung aller gab es keine Fragen,  nur einen schwarzen Punkt in der Mitte der Seite. Nun erklärte der Profossor folgendes:

„Ich möchte Sie bitten, das aufzuschreiben, was Sie dort sehen“ Die Schüler waren verwirrt, aber begannen mit ihrer Arbeit.

Am Ende der Stunde sammelte der Professor alle Antworten ein und begann sie laut vorzulesen. Alle Schüler, ohne Ausnahme, hatten den schwarzen Punkt beschrieben,  seine Position in der Mitte des Blattes, seine Lage im Raum, sein Größenverhältnis zum Papier etc.

Nun lächelte der Professor und sagte:

Ich wollte Ihnen eine Aufgabe zum Nachdenken geben. Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt. Das Gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Blatt Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen, aber wir konzentrieren uns immer auf die dunklen Flecken. Unser Leben ist ein Geschenk, das wir mit Liebe und Sorgfalt hüten sollten und es gibt eigentlich immer einen Grund zum Feiern – die Natur erneuert sich jeden Tag, unsere Freunde, unsere Familie, die Arbeit, die uns eine Existenz bietet, die Wunder, die wir jeden Tag sehen …

Doch wir sind oft nur auf die dunklen Flecken konzentriert – die gesundheitlichen Probleme, der Mangel an Geld, die komplizierte Beziehung mit einem Familienmitglied, die Enttäuschung mit einem Freund, Erwartungshaltung usw.

Die dunklen Flecken sind sehr klein im Vergleich zu allem, was wir in unserem Leben haben, aber sie sind diejenigen, die unseren Geist beschäftigen und trüben. Nehmen Sie die schwarzen Punkte wahr, doch richten sie ihre Aufmerksamkeit mehr auf das gesamte weiße Papier und damit auf die Möglichkeiten und glücklichen Momente in ihrem Leben und teilen sie es mit anderen Menschen !

Was ich hiermit tue.img_4353möge sich der Korb in diesem Jahr reichlich füllen ….. oder sieht ihr etwa einen leeren Korb ….?. tut hinein, was immer ihr mögt….

Glück

Glückimg_4277Seit Wochen kränkele ich vor mich hin (nichts Schlimmes, einfach ein hartnäckiger Virus), aber ein paar Tage war es richtig übel, da schmerzte jeder Knochen. Viel Schlaf und literweise Ingwertee halfen. Ab und zu gönnte ich mir Momente des Jammerns. Ich seufzte laut. Das tat ungemein gut und ich musste selber lachen über mich. Und dann setzte ich einen Trick ein. Ich stöberte in meinem Kopf „Glücksmomente“ auf.  Und schon fluteten mich Erinnerungen an „glückliche Augenblicke“ in meinem Leben. Viele kleine, wie etwa das erste Mal Kniestrümpfe tragen im Jahr,  oder die erste komplette Knackwurst essen dürfen (als jüngstes Kind wurde mir bis dahin immer eine Ecke abgezwackt) …. das erste geschriebene Wort …

Aber von allen Glücksmomenten strahlt einer ganz besonders hell und leuchtet noch immer, wie ein heller Stern am klaren Winterhimmel.

Ich war etwa zwölf oder dreizehn Jahre alt. Als braves katholisches Mädchen war ich auf dem sonntäglichem Weg zur Spätmesse. (der Rest der Familie war bereits in der Frühmesse gewesen). Es war ein glitzerklarer Frühlingstag. Es geschah das Unglaubliche. …..Ich ging an der Kirche vorbei. Einfach so, bog ab Richtung Wald. Ich lief und lief und lief. Ins Tal hinunter und dann bergauf. Mein Herz frohlockte und seltsamerweise stellte sich kein Schuldgefühl ein. Es hatte etwas Anarchisches, nie Gekanntes.

Und dann war ich oben angelangt. Eine kahle Bergkuppe. Unter mir ein Buchenwald. Die ersten zarten Blätter reckten sich in den Himmel. So stand ich da, stumm, überwältigt und wurde von Glück überschwemmt. Es hatte etwas Göttliches. Ganz tief in mir breitete sich etwas aus. Niemals vorher hatte ein Gottesdienst unten in der Kirche ähnliche Kräfte freigesetzt.

So stand ich da, hätte jauchzen können vor Glück und die Tränen liefen. Ich wußte, dieser Augenblick war heilig und ich würde ihn nie vergessen.

Wie im Traum trat ich den Rückweg an.

Zuhause  kam das Erwachen. Meine Mutter bemerkte etwas an mir, tat, was sie nie getan hatte, fragte, ob ich in der Kirche gewesen sei. Da hob ich stolz den Kopf und sagte,  ..“nein, heute habe ich auf dem Berg den Gottesdienst erlebt “  Eine schallende Ohrfeige holte mich zurück in die Wirklichkeit.

Ich war zutiefst verletzt und einmal mehr wuchs in mir die Gewissheit, das etwas gewaltig schief lief in Sachen Glauben und Katholizismus.

Den Glücksmoment konnte mir aber niemand nehmen. Er begleitet mich seitdem, wohin ich auch gehe.

Und das mir dies auf dem Krankenlager wieder gegenwärtig wurde …. nun, schon dafür hat sich das Kranksein gelohnt.

Ich lehnte mich zurück, blätterte in einer Zeitschrift (was für mich zum Kranksein dazugehört) und fand wunderschöne Bilder vom Zierhaselstrauch. Es hielt mich nicht länger im Bett und mit Tusche und Pipette spürte ich den Windungen und Drehungen nach. Ich konnte kaum das Trocknen der Farbe abwarten und dann kroch ich wieder ins Bett und es wurde geschnippelt. Schaut selber.img_3825Ich wünsche allen – trotz alledem und alledem – glückliche Momente.

stille Tage

„Entspannen und Loslassen“img_4287…so stand es im Programm. Gesagt getan. Fünf Tage im St.Bonifatius-Haus in Elkeringhausen. (Hochsauerland)  Fünf Tage Stille, nur Meditation, Qi-Gong und Tài Chi. Der Winter zeigte sich mit klirrender Kälte. Eine fast kitschige Glitzerwelt.img_4309 Der Frost bastelt an Pflanzen herum, hüllt Hagebutten ein, lässt den See erstarren. Da fällt es nicht schwer, auch innerlich still zu werden. Das Haus (genau genommen die Häuser) tun alles, um sich behaglich zu fühlen. Kein Schnickschnack. Fast spartanisch (bis auf die  Mahlzeiten, die lassen keine Wünsche offen)  aber alles, was nötig ist, um abzuschalten.

Fünf Tage Qi-Gong-Training. Die „Acht Brokate“ und Tài Chi der Elemente. Die Gruppe findet rasch zueinander. Susanne Beine, unsere Trainerin macht das wunderbar. Bald üben wir, als hätten wir ein Leben lang nichts Anderes gemacht. Ein wunderbares Dehnen, Strecken, Hineinfühlen in den Körper. Wieder und wieder werden die Formen durchgegangen. Dann in den Meditationsraum, still werden. Von Tag zu Tag mehr. Ich wache nachts auf, nehme den Block, zeichne, nehme mein Scherchen, schnippele.img_4292Eine Klangschalen-Meditation bringt auch in uns etwas zum Schwingen. (erster Scherenschnitt).

Im Zimmer neben mir spielt in der Mittagszeit Beate auf der Altflöte. Die Gesichter glätten sich. Müde Rücken werden locker. Am letzten Abend tanzen wir wie verrückt. Susanne hat wunderbare Musik mitgebracht.

Noch einmal üben wir zu dritt – mit Ausblick ins Tal – die „Fünf-Elemente-Form“. Wir lachen, umarmen uns und versprechen uns, uns wieder zu sehen.

img_4278Jemand liest noch einen Text von Thich Nhat Hanh vor. Ich gebe es auch Euch mit auf den Weg….

Wenn ihr Frieden und Glück,

in euch selbst schafft, so beginnt ihr,

Frieden für die ganze Welt zu verwirklichen.

Mit einem Lächeln, das in euch erwacht,

mit dem bewussten Atem,

der in euch selbst gründet,

beginnt ihr für den Frieden in der Welt zu wirken.

Ihr lächelt nicht nur für euch allein;

vielmehr wird sich durch euer Lächeln

die Welt verändern.

Die Freude, die ihr beim Meditieren

auch nur einen Moment lang empfindet,

Heiterkeit und Glück –

mit all dem schenkt ihr der Welt

einen sicheren Ort des Friedens.